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Film
2001
Dagon
Horror und Lovecraft auf Sparflamme
Heiko findet Dagon okay
HORRORCTOBER 2016 - Film Nr. 7

Wenn Filmemacher sich vornehmen, eine Geschichte von Howard Philips Lovecraft zu verfilmen, kann dies ganz schnell in die Hose gehen. Leben die abstrakten Erzählungen Lovecrafts vor allem vom Schrecken, den alles umgebenden Wahnsinn und einem Gefühl einer permanenten, immer spürbaren Bedrohung. Eigentlich dürfte beim Duo Stuart Gordon und Brian Yuzna nach deren wirklich tollen Verfilmungen von FROM BEYOND und RE-ANIMATOR nichts schief gehen.

Bei DAGON sieht das anders aus. Wer die Vorlage, 1917 entstanden und zum ersten Mal 1919 veröffentlicht, kennt, dem dürfte klar sein, dass man aus dieser gerade mal zehnseitigen Geschichte keinen Abend füllenden Film machen kann. Und sie eben eine sehr komprimierte Beschreibung eines bizarren Abenteuers ist. Lovecraft, dem man bei dieser Geschichte den Einfluss von Poe anmerkt, fand hier langsam zu seinem eigenen Stil und legte zudem ganz vage den Grundstein für den späteren Cthulhu-Mythos.

Ganz am Rande taucht dieser auch im fertigen Film auf, bei dem Yuzna und Gordon noch Elemente aus Lovecrafts “Der Fall Charles Dexter Ward” hinzufügten um eine filmtaugliche Geschichte zu bekommen. Stuart Gordon geht das ganze auch recht routiniert an, doch - anders als bei meiner ersten Sichtung als der Film in Deutschland veröffentlicht wurde - es fehlt DAGON einfach an Konstanz. Man merkt diesem Werk an, dass man seine Probleme hatte, die Vorlage für das Medium Film zu konvertieren. Selbst die Atmosphäre erreicht nur selten lovecraft’sche Ausmaße. DAGON besitzt selten diese Stärke, eine bedrohliche, fremdartige Stimmung aufzubauen.

Zum Beispiel wenn der Protagonist Paul nach einem Schiffbruch, bei dem die Frau des Schiffsbesitzers Howard verletzt wird, durch die dunklen Straßen des kleinen Dorfes an der Küste wandelt. Auf dieses steuerte man auch zu, als in Windeseile ein Sturm aufzog, um sich zu retten. Man schafft es nicht und Paul versucht mit seiner Freundin Barbara Rettung für die schiffsbrüchigen Freunde im Dorf zu holen. Die dortigen Bewohner geben sich merkwürdig, der Ort hat einen verfallenen Charakter und die dortige Kirche, in der man auf Hilfe hofft, ist ebenfalls sehr seltsam. Kennt man Roger Cormans DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS, eine Poe-”Verfilmung” welche nur den Titel einer dessen Geschichten trägt, aber eigentlich eine filmische Adaption von Lovecrafts “Charles Dexter Ward” kennt, dann fühlt man sich etwas auf die diesen bei beschriebener Szene erinnert.

Dessen dichte Atmosphäre streift man hier und kann eine schön schauerliche Stimmung aufbauen. Dazwischen sind gut gemeinte Szenen um die Story nach vorne zu bringen. Yuzna und Gordon auch selbstreferentiell, lassen die Bewohner des Ortes wie Zombies durch die Straßen humpeln, Pauls Darsteller Ezra Godden sieht mit Brille wie ein jugendlicher Jeffrey Combs aus und trägt einen Pullover der Miscantonic-Uni (Schauplatz des erstes RE-ANIMATOR-Films). Die Defizite in der recht dünnen Story, die etwas zu routiniert und leidenschaftslos anmutet, können so nicht aisgebügelt werden. Das durchgehend atmosphärische, eine Spannung erzeugende Erzählweise, weniger an Füllmaterial erinnernde Szenen die erst spät (wenn überhaupt) zu etwas führen, wären für DAGON wünschenswert gewesen. Es bleibt ein durchschnittlicher Horrorfilm, der soweit okay geht, aber viel Potenzial verschenkt. Unter all den Versuchen, Lovecraft auf die Leinwand zu bringen, bleibt er trotzdem einer der besseren - und der schwächste Film meines persönlichen Horrorctobers.
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Film
2001
Dagon
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1
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IMDB
6.3 von 10
Genre
Fantasy, Horror, Thriller, Mystery
Länge
95 Minuten
Handlung
Vor der spanischen Atlantikküste kentert eine amerikanische Segelyacht. Paul gelingt es gemeinsam mit seiner Freundin Barbara im Rettungsboot das kleine Fischerdorf Imboca zu erreichen. Dort hoffen sie auf Hilfe, aber das gesamte Städtchen verhält sich den Schiffbrüchigen gegenüber seltsam und regelrecht feindselig.
Regisseur
Stuart Gordon
Besetzung
Ezra Godden als Paul Marsh
Francisco Rabal als Ezequiel
Raquel Meroño als Bárbara
Macarena Gómez als Uxía Cambarro
Brendan Price als Howard
Birgit Bofarull als Vicki
Uxía Blanco als Ezequiel's Mother