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Film
2013
We Are What We Are
Viele gute Ansätze! (Aber...)
Heiko findet We Are What We Are okay
#HORRORCTOBER 2016 - Film Nr. 13

Der Horrorctober wurde komplett bewerkstelligt und 12 der 13 vorab ausgesuchten Filme geschafft. Einzige Änderung: anstelle von Tobe Hoopers Meilenstein des Terrorkinos, THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, wurde WE ARE WHAT WE ARE der abschließende Film. Da war die Neugier auf das Remake zum vorab gesehenen SONOS LE QUE HAY doch zu groß.

Im Gegensatz zum mexikanischen Original ist es hier die Mutter, die plötzlich aus dem Leben scheidet und ihren Mann, zwei Töchter und einen kleinen Jungen hinterlässt. Im amerikanischen Ödland ist die Geschichte angesiedelt: eine strukturschwache Gegend, gebeutelt von Arbeitslosigkeit. Aber auch hier steht menschliches Fleisch auf der Speisekarte der Familie. Durch einen zufälligen Fund von Knochenteilen kommt ihnen der ansässige Arzt der Umgebung nach und nach auf die Schliche.

Jorge Michel Graus Original nutzte neben dem kannibalischen, vordergründigen Horror auch den sozialen, realen Horror von Mexiko City um das dortige Chaos und Elend der sozial Schwachen zu zeigen. Jim Mickles Ansatz grenzt dieses große Ganze komplett aus und konzentriert sich auf die inneren Zustände der Familie und deren Hintergrund, wieso sie überhaupt Menschen töten und verspeisen. Dies wird in hübsch in die Handlung eingeflochtenen Rückblenden erzählt.

Dieser Ursprung entwickelt sich über die Jahrhunderte zu einem hochgradig pervertierten Ritual; ebenfalls in Graus Film angesprochen, wobei die Erklärung woher es kommt dort ausbleibt. WE ARE WHAT WE ARE erklärt es dabei auf den ersten Blick als eine makabre Familientradition sondern lässt dabei auch immer durchblitzen, das tiefe Gläubigkeit mit dem blutigen Treiben einhergeht. Das religiös motivierte Treiben wirft einen kritischen Blick auf eben jenes, die vom Vater geführte Familie kann man auch als sektenartig interpretieren.

So richtig konsequent ist Mickle in seinem Film was dies angeht aber nicht. Das aufbegehren der Töchter gegen die vom Vater hochgehaltene Tradition ist glaubhaft und als vernünftigen Gegenpart gegenüber dem blinden Glauben an den alten Ritus zu sehen. Die Konflikte innerhalb der Familie sind allerdings eher auch das Mittel, auf die finale Konfrontation zwischen Vernunft und fehlgeleitetem Glauben hinzuarbeiten. Das eingewobene kritische Element des Films erscheint als bloßer “Treibstoff”um den Kampf zwischen guter und böser Seite, wie man es vom Horror-Genre eben kennt, voranzutreiben.

Die mit hübschen Bildern arbeitende Indie-Produktion verliert gegen Ende hin ihre Intention, ein ansprechender Kommentar darüber, das (religiöser) Glauben nicht immer etwas reines und gutes ist, zu sein. Das Love-Interest einer der beiden Töchter fühlt sich manchmal sogar deplatziert und als lästiges Muss eingebaut an; beinahe wie weniger optimale “Geschichtsoptimierungen” einiger Majorstudio-Remakes von ausländischen Horrorfilmen. Es ist ein Ansatz, der WE ARE WHAT WE ARE einiges an Potenzial verschenken lässt. Durch die spürbaren, leider nicht konsequenter tragenden kritischen Untertöne und guten darstellerischen Leistungen ist dieses US-Remake trotzdem ein durchaus sehenswerter Film.
100 Krittiqs
2
0
Film
2013
We Are What We Are
1
1
0
IMDB
5.8 von 10
Genre
Drama, Horror, Thriller
Länge
105 Minuten
Handlung
Nach außen hin wirkt Familie Parker wie eine ganz normale Familie, doch im Verborgenen hegen sie ein dunkles Geheimnis: Wie es die Vorfahren von Patriarch Frank Parker schon seit Jahrhunderten getan haben, ernähren sie sich von Menschenfleisch. Als Franks Ehefrau und Mutter von Iris und Rose auf tragische Weise stirbt, sind die zwei Töchter gezwungen, ihren Job zu übernehmen und sich um die täglichen Mahlzeiten zu kümmern.
Regisseur
Jim Mickle
Besetzung
Bill Sage als Frank Parker
Ambyr Childers als Iris Parker
Julia Garner als Rose Parker
Michael Parks als Doc Barrow
Wyatt Russell als Deputy Anders
Kelly McGillis als Marge
Nick Damici als Sheriff Meeks