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Film
2015
Victoria
140 Min Berlin - Viva la Victoria!
Michael ist begeistert von Victoria
2014 hat mir endlich wieder Lust auf deutsches Kino bereitet. Stereo und Who Am I lieferten damals überraschend gut ab. Da freut es mich umso mehr, dass nur ein Jahr später mit Victoria ein Monster von Genrefilm gebohren wurde.

Worum geht es überhaupt? Spanierin Victoria ist seit drei Monaten in Berlin. Sie ist allein, spricht noch kein Deutsch und jobbt in einem kleinen Café. Eines Tages schmeißt sie sich auf der Suche nach Kontakten noch vor ihrer Frühschicht in die Berliner Nachtszene und lernt dort prompt vier Jungs kennen. In den nächsten 2 Stunden sollte sich ihr Leben völlig ändern.

Als Freund der Techno-Szene holt mich der Film schon beim Intro ab. Victorias Silhouette tanzt dort zu hypnotisch-technoider Musik. Das Lichtflackern penetriert das Auge bis nach und nach Licht und Farben auf die Titelfigur fallen. Von dort an geht es los. 140 Minuten lang, ungeschnitten.

Alles was in diesem Film passiert, wurde in einem Take aufgenommen und durchgespielt. Vieles von den Darstellern improvisiert. Regisseur Sebastian Schipper, der sonst eher als Schauspieler (Der englische Patient, Tatort, u.a.) auffällt, ließ insgesamt dreimal alles durchlaufen. Mit sechs Regieassistenten und drei verschiedenen Teams für den Ton.

Dabei lässt sich Schipper viel Zeit für die Charakterzeichnung, weshalb Victoria ein bisschen braucht, bis mal etwas passiert. Das Tempo steigert sich aber nach und nach und die Spannung wird die ganze Zeot nett hervorgekitzelt. Hierbei helfen vor allem die nur angedeuteten Hintergrundgeschichten der fünf Jungs. Die ganze Zeit denkt man, jeden Moment passiert etwas.

Kameramann Sturla Brandt Grøvlen aus Norwegen zelebriert seine anspruchsvolle Aufgabe geradezu. Während der 140 Minuten lässt er die Figuren praktisch nicht aus dem Auge. Mal nah am Gesicht, mal als Beobachter. Und trotz allem schafft er es dieses typische Gefühl zu vermitteln, das Berlin ausmacht.

Atmosphärisch natürlich stark unterstützt vom Berliner Morgen. Victoria wurde am April 2014 zwischen 4:30 und 7 Uhr in Kreuzberg und Mitte gedreht. Anfangs haben wir noch Dunkelheit und Musik von DJ Koze, später ein Klavier im Café und Vogelgezwitscher, während einer Flucht. Pervers, aber irgendwie authentisch. Abgerundet wird das Hauptstadtgefühl fast schon trashig, durch Hipsternamen wie "Sonne", "Fuß" & "Boxer".

Und Victoria? Laia Costa wirkt fokussiert. Die 30-jährige Spanierin überzeugt in jeder Einstellung und ist eine echte Entdeckung. Was will man von einer Frau auch anderes erwarten, die im spanischen Theater komplett Deutsch spricht, dann mal eben in einem russischen Film mitwirkt um kurz danach in einer deutschen Produktion komplett auf Englisch zu spielen. Zwar nervt die Naivität ihrer Figur ein bisschen, aber was soll's.

Spannung:????
Action:??
Erotik:
Humor: ?
Gewalt:?
Herz:?

Ihr Gegenüber, Frederick Lau, muss sich aber nicht verstecken, ebenso seine Mitstreiter. Wirklich eine sympathische, wie auch interessante und schwer zu durchschauende Truppe. Umso mehr freut es mich, dass diese mutige Produktion mit Filmpreisen und guten Kritiken überschüttet wurde. Deutsches Genrekino ist tot. Es lebe das deutsche Genrekino.

Besucht mich doch mal auf derfilmtipp.de :)
146 Krittiqs
5
0
Film
2015
Victoria
12
5
1
IMDB
7.7 von 10
Genre
Drama
Länge
140 Minuten
Handlung
Selbstverloren tanzt die junge Spanierin Victoria durch die Berliner Szene. Vor einem Club lernt sie vier Kumpel kennen, die sich als Sonne, Boxer, Blinker und Fuß vorstellen. Schnell kommt man ins Gespräch. Sonne und Victoria interessieren sich füreinander und setzen sich bei erster Gelegenheit von der Gruppe ab. Ihr zarter Flirt wird jedoch jäh von den anderen unterbrochen, denn für die Kumpel ist diese Nacht noch lange nicht zu Ende. Um eine alte Schuld zu begleichen, müssen sie ein krummes Ding durchziehen. Weil einer von ihnen zu betrunken ist, soll ausgerechnet Victoria die Rolle der Fahrerin übernehmen. Aus Spiel wird plötzlich Ernst.
Regisseur
Sebastian Schipper
Besetzung
Frederick Lau als Sonne
Franz Rogowski als Boxer
Laia Costa als Victoria
Max Mauff als Fuß