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Film
2012
Lore
Grandiose Bildsprache
Sophie ist begeistert von Lore
Mit Lore findet im November ein ganz neuer Blick auf die deutsche Nachkriegszeit seinen Weg in unsere Kinos. Während der Zweite Weltkrieg nicht nur auf den Kinoleinwänden, sondern auch in unseren Lehrplänen eine Menge Raum einnimmt, wird den Jahren nach Kriegsende allgemein eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Nationalsozialist_innen als Opfer darzustellen, ist eine brenzlige Angelegenheit. Die australische Regisseurin Cate Shortland wagt es dennoch und betrachtet die deutsche Nachkriegszeit aus der Sicht einer jungen Frau.

Im Grunde ist Lore nicht nur ein Film über eine Flucht, sondern auch ein Film über das Erwachsenwerden. Wir können die Geschichte auf einer symbolischen Ebene auch als einen Akt der Befreiung begreifen. Wie jeder Teenager muss auch Lore die „Regeln“ ihrer Eltern hinterfragen und ihre eigenen moralischen Vorstellungen entwickeln. Am Ende macht uns Cate Shortland genau das klar: Manchmal müssen Traditionen zerbrochen werden, um Raum für Neues zu schaffen. Diese Zerstörung des Bekannten und Vertrauten aber ist immer mit großen Schmerzen verbunden. Und diese werden in Lore nicht nur den Protagonist_innen, sondern durch deren Erleben auch den Zuschauer_innen zugemutet. Wie auch die literarische Vorlage Die dunkle Kammer von Rachel Seiffert, gibt Lore seinem Publikum kein Urteil vor. Hierdurch öffnet Cate Shortland ihren Film auch für Lesarten jenseits des Themas Nationalsozialismus. Statt den mahnenden Zeigefinger gegen Lore zu heben, die nicht imstande ist, ihre antisemitische Haltung aufzugeben, zeigt die Regisseurin paradigmatisch den inneren Konflikt der Nachfolgegeneration eines totalitären Regimes. Dabei ist es im Grunde vollkommen unerheblich, ob es um das Dritte Reich, die DDR oder einen radikal-islamischen Staat geht. Somit kann uns der Film auch dabei helfen, junge Menschen zu verstehen, die an der Ideologie von Staaten festhalten, in denen sie nur wenige Jahre ihrer Kindheit verbracht haben.

Lest die ganze krittiq zum Film auf www.filmloewin.de
17 Krittiqs
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Film
2012
Lore
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IMDB
7.1 von 10
Genre
Romance, Drama, War, Thriller
Länge
108 Minuten
Handlung
Deutschland nach dem Krieg: Lore ist mit 15 Jahren für sich und ihre vier jüngeren Geschwister verantwortlich, da ihre Eltern als ranghohe Nationalsozialisten festgenommen wurden. Gemeinsam stehen die Kinder vor der schweren Aufgabe, sich nach der Kapitulation Deutschlands quer durch das vom Krieg zerstörte Land zu schlagen, um an die nördliche Küste zum sicheren Hof der Großmutter zu gelangen.
Regisseur
Cate Shortland
Besetzung
Saskia Rosendahl als Lore
Kai-Peter Malina als Thomas (as Kai Malina)
Nele Trebs als Liesel
Ursina Lardi als Mutti
Hans-Jochen Wagner als Vati
André Frid als Günther
Mika Seidel als Jürgen