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Film
1999
The Nameless
Düster-faszinierender Mysterythrill
Heiko ist begeistert von The Nameless
#HORRORCTOBER 2016 - Film Nr. 11


Vor vielen Jahren, als ich noch die alte deutsche DVD von Jaume Balaguerós Langfilmdebüt besaß, fragte ich mich, wieso der Look des Films so nach günstigem TV-Film aussah. Bis er zum ersten Mal gesichtet wurde gingen - typisch für mich - die Jahre ins Land. Für den Horrorctober entschloss ich mich, diese Lücke endlich zu schließen und wurde nicht enttäuscht.


Auch der früher so seltsam wirkende Look, der mich vielleicht abgestoßen und vielleicht unbewusst vom schauen abgehalten hat, macht heute Sinn. Er passt zur Geschichte des Films, die von Claudia handelt, deren Tochter vor fünf Jahren grausam verstümmelt aufgefunden wurde. Ihre Welt gerät ins wanken, als sie einen Anruf erhält, in dem ein Mädchen behauptet, sie sei ihre Tochter. Claudia wendet sich an den Polizisten, der den Mordfall damals bearbeitet hat. Der hat mittlerweile den Dienst quittiert, aber weil Claudias Tochter wegen der Verstümmelungen schwer identifiziert werden konnte, forscht er trotz anfänglicher Skepsis zusammen mit ihr nach. Die beiden stoßen auf einen seltsamen Geheimbund, der dadurch auch bald auf das Duo aufmerksam wird.


Jaume Balagueró schuf mit THE NAMELESS einen Psychothriller, der eigentlich nur bedingt als Horrorfilm gesehen werden kann. Seine Mystery-Komponente hält die Story gar nicht so lange aufrecht und der übernatürlich gewähnte Hintergrund wird zügig aufgelöst. Claudia und dem Polizisten Massara bei ihren Recherchen zuzuschauen, ist trotzdem packend und faszinierend zugleich. Man versinkt mit diesen gebrochenen Figuren immer tiefer in einen Strudel absonderlicher Anschauungen und Forschungen, die besagter Geheimbund betreibt.


Hier kommen wir nochmal auf den Look des Films zu sprechen. Er ist eine visuelle Verstärkung des Innenlebens beider Hauptfiguren, die beide von einem schweren Schicksal gebeutelt sind. Die Stimmung ist düster, nihilistisch, während der Film in seinen ungeschönten, groben und immer etwas bleich wirkenden Farben dies unterstützt. Mit einem Drehbuch, das sich angenehm Zeit lässt bei der Erzählung seiner Geschichte und die Enthüllungen der Recherche nach und nach Platz gibt, gelingt dem Regisseur ein durchaus gutes Debüt.


Er hat ein sehr gutes Gespür für Stimmungen und lässt den Figuren Raum sich zu entwickeln. Balagueró stellt sich hier in die Tradition eines klassischen Erzählkinos, dass gänzlich ohne große Action aufkommt. Dafür sind die Spannungsmomente auf einem hohen nice und. Einziges Manko von THE NAMELESS ist die Auflösung, die ein wenig zu konstruiert wirkt und ein Finale, welches gefühlt zu hastig daher kommt. Dafür ist der radikale Schluß ein finaler Schlag der vorherrschenden, nihilistischen Grundstimmung. Es hat sich trotzdem gelohnt, endlich diese filmische Lücke zu schließen. THE NAMELESS ist dazu eine weitere Bestätigung für mich, das die Spanier ein außerordentlich gutes Händchen für solche Stoffe haben.
100 Krittiqs
2
0
Film
1999
The Nameless
1
1
0
IMDB
6 von 10
Genre
Drama, Horror, Thriller, Mystery, Foreign
Länge
102 Minuten
Handlung
Fünf Jahre, nachdem ihre damals knapp zwölfjährige Tochter Angela Opfer einer Entführung mit anschließendem Ritualmord wurde, meldet sich eine junge Frau telefonisch bei Claudia, bittet um Hilfe und behauptet, eben jene Angela zu sein. Mit Hilfe des befreundeten Polizisten Bruno, eines findigen Journalisten und schließlich sogar eines inhaftierten Serienkillers stößt Claudia auf die geheimnisvolle Sekte derer ohne Namen.
Regisseur
Jaume Balagueró
Besetzung
Emma Vilarasau als Claudia Horts de Gifford
Karra Elejalde als Bruno Massera
Tristán Ulloa als Quiroga
Toni Sevilla als Franco
Brendan Price als Marc Gifford