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Film
2011
Urban Explorer
Berlin Underground Copy Massacre
Heiko ist begeistert von Urban Explorer
HORRORCTOBER 2016 - Film Nr. 6

Garstig geht es im Berliner Untergrund zu, als vier Urban Explorer die deutsche Hauptstadt von ihrer dunklen Seite kennenlernen. Bei ihrer illegalen Erkundung machen sich vier Touristen mit ihrem Führer auf dem Weg zu Hitlers Fahrerbunker (sic!) und stoßen dort unten nach einem Unfall auf einen sehr seltsamen Zeitgenossen.

Deutsche Genre- und insbesondere Horrorfilme sind irgendwie immer noch ein kleines Unikum. Früher fielen mir beim Stichwort deutscher Horrorfilm nur sich im Amateurumfeld bewegende Namen wie Olaf Ittenbach, Timo Rose oder Andreas Schnaas ein. Mittlerweile gibt es solche Leute wie Marvin Kren oder Andy Fletscher, der nach seinem recht ansehnlichen BUKAREST FLEISCH schon vor einigen Jahren URBAN EXPLORER nachgeschoben hat.

Fletschers zweiter Langfilm gibt sich im ganzen Look, seiner gerade zu Beginn eher nervig unruhigen Kamera und dem Schnitt betont modern und amerikanisch. URBAN EXPLORER möchte eigenständig sein, kann aber in den ersten zwanzig bis dreißig Minuten eine gewisse Unsicherheit nicht verbergen. So bleibt man ratlos, auch wenn die Erkundungen in der Berliner Unterwelt ansprechend gefilmt sind und sich das Buch nicht so lange mit großen Einführungen oder ähnlichem aufhält.

In Fahrt kommt URBAN EXPLORER erst, wenn Klaus Stiglmeier als im Untergrund lebender Sonderling Arnim auftaucht. Stiglmeier hat sichtlich Spaß an dieser Rolle. Zwar gleitet er immer ins Overacting, was Fletscher dann aber abbrennt, ist ohnehin ziemlich irrwitzig. Backwood Horror im Berliner Untergrund mit Torture Porn- und Psychothriller-Anleihen. Als würde der verschollene ostdeutsche Schwippschwager von Leatherface auf Jigsaw umschulen. Man merkt, wovon die Macher des Films inspiriert wurden, dank einer spürbaren “Scheißegal! Wir machen einfach mal!”-Einstellung funktioniert das ganze sogar überraschend gut.

URBAN EXPLORER ist vielleicht nicht der ganz große, deutsche Horror-Hit, aber durchaus einen Blick wert. Selbst, wenn der Film leicht campy zu wirken beginnt, man wegen manchen Dingen belustigt auflacht: im nächsten Moment war ich dann doch wieder vom film gefesselt, da er in der zügigen Erzählweise in der zweiten Hälfte noch einen drauflegt. Das macht er übrigens auch bei den manchmal sehr garstigen Gore-Effekten. Der Film war bei den bisherigen Erstsichtungen im Horrorctober die für mich größte Überraschung. Wohl auch deswegen, weil er sich zwar auch sichtlich bei bekannten Filmen bedient, dies aber mit gewissem Charme und weitaus besser macht, als die oben angesprochenen Herren oder andere. Das lässt auch über seine Beliebigkeit und den okayen Darstellern nach Stiglmeier hinwegsehen.
100 Krittiqs
1
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Film
2011
Urban Explorer
1
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IMDB
5.2 von 10
Genre
Horror, Thriller
Länge
88 Minuten
Handlung
Eine Gruppe junger Touristen plant einen Trip in die weitläufigen Untergründe Berlins. Ihr Stadtführer Kris verspricht ihnen eine Reise in den Fahrerbunker, dem einstigen Quartier der Chauffeure Adolf Hitlers. Als Kris stürzt, macht sich ein Teil auf, Hilfe zu holen. Der andere bleibt bei dem Verletzten und trifft plötzlich auf den schrägen Armin, dessen Hilfe sie in ihrer Verzweiflung dankend annehmen.
Regisseur
Andy Fetscher
Besetzung
Nathalie Kelley als Lucia
Nick Eversman als Denis
Klaus Stiglmeier als Armin
Max Riemelt als Chris
Catherine de Léan als Marie
Brenda Koo als Juna
Adolfo Assor als Man in the subway station